Bevölkerung und Sprache (von Hans M. Tuschar)
   

Die ersten Siedler, die im Bleiberger Gebiet sesshaft wurden, kamen auf Initiative der Grundherrschaften Viktring und Hollenburg und entrissen in harter Arbeit dem Urwald die ersten gerodeten Flächen. Sie kamen vermutlich aus allen möglichen Teilen des Landes und man kann annehmen, dass ihre Umgangssprache ein windischer (so bezeichnete man damals alle slawische Sprachen) Dialekt war. Als die Hollenburg unter das Geschlecht der Pettauer fiel erfolgte ein neuerlicher intensiver Besiedelungsschub und es zogen auch Siedler von weit her zu (zum Bsp. die „Lausegkher“ aus der Gegend von Kaplitz/Kaplice in Böhmen).

Inzwischen hatte auch der Bleiabbau an Bedeutung gewonnen welcher anfangs zumeist von deutschsprachigen und wohl auch furlanischen Knappen betrieben wurde. Sie alle nahmen bald den bodenständigen slowenischen Dialekt an und wurden praktisch zur Gänze assimiliert. Ausnahme blieben nur die zeitverdingten Bergwerksaufseher und die städtischen Ratsherren, bzw. Gewerken, die hier Eigentum besaßen, die aber nur zeitweise im Tale weilten.

Als anlässlich der Neueröffnung der Hauptkommerzstraße über den Loibl im Jahre 1728 Kaiser Karl der VI. ins Loibltal kam, fand sich nur der Wirt Peter Tschauko, der sich mit dem Kaiser in gebrochenem Deutsch unterhalten konnte. Der Kaiser, über diese Möglichkeit hocherfreut, bedachte den Mann mit dem Ehrennamen „Deutscher Peter“, welchen das Gasthaus bis heute trägt.

Bis in das späte neunzehnte Jahrhundert gab es in Bleiberg keinerlei sprachlich-nationale Probleme. Erst der Zusammenbruch des alten Kaiserreiches drängte auf eine Entscheidung zwischen dem übriggebliebenen Restösterreich und dem neuentstandenen Staat der Slowenen, Kroaten und Serben. Die kleine Gemeinde Windisch Bleiberg, die einen hohen Blutzoll im Ersten Weltkrieg gezahlt hatte, votierte bei der am 10. Oktober 1920 durchgeführten Volksabstimmung mit 79,54% für das spätere Jugoslawien, verblieb aber mit der Abstimmungszone A, die sich mehrheitlich für Österreich entschieden hatte, bei Österreich.

Wenn man die Werte von 1910 und 1920 vergleicht, dann wird augenscheinlich, dass eine erkleckliche Anzahl der Bleiberger Bürger mit slowenischer Umgangssprache für den Verbleib bei Österreich votiert haben.



Auch während der nationalsozialistischen Machtausübung und knapp nach Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde die Gemeinde von nationalistisch getriebenen Aktionen gepeinigt. Es fanden gegenseitige Vernaderungen statt.

Zwangsaussiedelungen und Deportationen in Konzentrationslager durch die Nazis folgten Racheakte der Partisanen, die in manchen Fällen mit Verschleppungen, Femegerichten und mit Hinrichtungen endeten. Viele Familien waren betroffen. Erst heute, nach über fünfzig Jahren, beginnen diese tiefen Wunden in der Bevölkerung endlich zu vernarben.

Für viele Jahrzehnte galt die Anschauung Slowenisch sei die Sprache der niederen Schicht und Deutsch jene des Fortschrittes und der „Besseren“. Langsam verschwinden diese Vorurteile.

Heute ist die sprachlich-nationale Hürde fast geschafft. Die Pflege des Kärntner-sloweni-schen Kulturgutes ist den Bleibergern eine Selbstverständlichkeit, wobei diese durch Verständnis nach außen und durch Weltoffenheit geprägt ist. Genauso erkennen die Deutschsprachigen, dass die Angehörigen der Minderheit nicht nur gleichwertige Menschen sind, sondern auch eine echte Bereicherung des Kärntner Volksgutes darstellen.

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